Beim Beginn einer höheren technischen oder naturwissenschaftlichen Ausbildung wird vielen Studierenden bewusst, dass die mathematischen Kenntnisse, die sie in der Schule erworben haben, für das angestrebte Studium unzureichend sind. Dabei gibt es nicht nur große Unterschiede zwischen den verschiedenen österreichischer Schultypen, sondern auch zwischen den Schulsystemen der einzelnen europäischen Länder.
"Deshalb macht es Sinn, dieses Thema auf gesamteuropäischer Ebene anzugehen – auch weil die fehlenden mathematischen Kenntnisse ein Problem darstellen, das alle europäischen Länder betrifft", so der Physiker Franz Embacher über den Hintergrund des EU-Projekts "Math-Bridge", das er seitens der Universität Wien koordinieren wird. Der Startschuss für das Vernetzungsprojekt fiel Anfang Mai 2009.
Lernumgebung mit mehrsprachiger Suchmaschine Bei "Math-Bridge" geht es in erster Linie darum, bestehende mathematische Inhalte aus verschiedenen europäischen Ländern im Internet für alle zugänglich zu machen und ihnen eine einheitliche Struktur zu geben. "Dafür unterlegen wir die verschiedenen Lernobjekte, die online verfügbar sind, mit semantischen Zusatzinformationen – sogenannten Metadaten – , übersetzen diese in die verschiedenen europäischen Sprachen und geben ihnen eine Struktur, die den mathematischen Inhalten und den unterschiedlichen Lernzielen entspricht", erklärt Franz Embacher.
Ein Ziel des Projekts ist eine eigene Suchmaschine, über die Lehrende und Lernende EU-weit genau jene Lernobjekte finden können, die sie für ihren Unterricht bzw. für ihr Studium brauchen: "Um eine gezielte Suche zu ermöglichen, erstellen wir im Rahmen des Projektes eine Art Katalog, in den man die Art der Kompetenz, die vermittelt oder gelernt werden soll, eingeben kann. Natürlich ist auch das mathematische Niveau und der Anwendungsbereich der Mathematik dafür relevant." Darüber hinaus wird eine Lernumgebung entwickelt, in der Kurse angelegt werden können und in der alle NutzerInnen – Lehrende wie Lernende – einen persönlichen Bereich besitzen.
Mathe für alle Die interaktiven Lernobjekte – ob Zeichnungen, Lehrbuchtexte oder dynamische Visualisierungen –, sollen für alle abrufbar und besser nutzbar sein als bisher und so den Zugang zu mathematischen Problemstellungen erleichtern. Ob "Math-Bridge" diesem Anspruch gerecht werden kann, soll später im Rahmen einer BenutzerInnenbefragung evaluiert werden: "Unter anderem auch Studierende der Universität Wien sollen ein Feedback darüber geben, inwieweit ihnen diese Modularisierung von Lerninhalten weiterhilft", so Embacher.
Der Physiker bedauert die allgemeine Unbeliebtheit, mit der Fächer wie Mathematik und Physik zu kämpfen haben: "Nichts von Mathematik oder Physik zu verstehen, ist für viele weit weniger schlimm als niemals Goethe gelesen zu haben." Da das offen angelegte Projekt mathematische Inhalte auf eine anschauliche Art für alle zugänglich machen soll, steigt vielleicht auch das (Lern-)Interesse an der abstrakten Mathematik. "Es gibt keinen Königsweg zur Mathematik", zitiert Franz Embacher den griechischen Mathematiker Euklid, aber die Hilfestellungen können optimiert werden – genau das ist das Ziel von "Math-Bridge".
"mathe online" Zusammen mit Petra Oberhuemer vom "Center for Teaching and Learning" der Universität Wien hat Franz Embacher bereits Ende der 90er Jahre eine Mathematik-Online-Plattform aufgebaut, die heute vor allem von Lernenden und Lehrenden in Österreich, Deutschland und der Schweiz gern genutzt wird. "Diese Plattform stellt eine der größten Sammlungen mathematischer Lernobjekte im deutschsprachigen Raum dar und soll deshalb in das neue Projekt integriert werden", so Embacher zur Vorgeschichte des Projektes. Weiters werden die Erfahrungen und Ergebnisse zweier am "Center for Teaching and Learning" angesiedelten EU-Projekte aus dem Bereich des Technologie gestützten Lernens in das Projekt einfließen.
Das Projekt "Math-Bridge" läuft von 1. Mai 2009 bis 31. Jänner 2012 und wird von der Europäischen Kommission mitfinanziert. Es wird von Doz. Dr. Franz Embacher, Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Günther Hörmann, V.-Prof. Mag. Dr. Johann Humenberger und Mag. Dr. Anita Dorfmayr durchgeführt.
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