"Unsere Anwendungen befassen sich mit großen, verstreuten Datenmengen aus den verschiedensten Bereichen, von der Medizin bis hin zu Unternehmensdaten, für deren Verwertung es wichtig ist, exzellente Analysetools zur Verfügung zu haben", sagt Peter Brezany vom Institut für Scientific Computing. Er ist Projektleiter des EU-finanzierten, internationalen Informatik-Projekts mit dem Akronym "ADMIRE", das im März startete. Das "ADMIRE"-Forschungsteam entwickelt innovative Methoden und Werkzeuge, um in großen Datenmengen entscheidungsrelevante Zusammenhänge zu entdecken.
Die Forschungsergebnisse sollen u.a. für die Analyse automatisch erhobener Daten von meteorologischen Stationen eingesetzt werden, um Mensch und Umwelt beispielsweise vor den fatalen Folgen von Überflutungen zu schützen. Dafür schafft "ADMIRE" eine Infrastruktur, die Datenströme mittels Internet und Grid-Computing verbindet und analysiert.
Grid-Computing Grid-Computing ist eine moderne Infrastruktur, die man sich als Verbund verteilter Hard- und Software verschiedener Organisationen vorstellen kann. Zusammengeschaltet arbeiten diese Gitter von Rechnern in der Art eines Supercomputers an der Lösung von gemeinsamen komplexen Problemen. AnwenderInnen und EntwicklerInnen von Grid-Computing haben bei der Benutzung den Eindruck, als würden sie mit lokalen, gleichartigen Daten- und Rechenressourcen arbeiten und können sich daher auf das Lösen ihrer eigentlichen anwendungsspezifischen Probleme konzentrieren. "ADMIRE" zielt darauf ab, die Leistungen bestehender Grid-Computing-Technologien zu steigern und neue, für die Gesellschaft wichtige Anwendungsbereiche zu erschließen. Ein Work Package des EU-Projekts konzentriert sich beispielsweise darauf, diese Methoden zur besseren Vorhersage von Umweltkatastrophen anzuwenden.
Überflutungsschutz Im Bereich der Katastrophenvorhersage forscht die Arbeitsgruppe für Software Science der Universität Wien mit der Slowakischen Akademie der Wissenschaften zusammen. Dort arbeitet man an einem Überflutungsschutz-Programm für den größten Fluss der Slowakei, der Váh. "Es werden Informationen über Wasserzustand, Wetterprognosen oder die Zustände von Dämmen zusammengetragen, um mittels geeigneter Analysen eventuell nötige Evakuierungen der betroffenen Gebiete rechtzeitig zu erkennen und zu planen", erklärt Peter Brezany. Der Beitrag von Brezanys Team ist es, das wissenschaftliche Know-how im Bereich Grid-Computing, Workflowerstellung, -optimierung und -ausführung sowie Data-Mining zu liefern – Themen, auf die sich die Gruppe seit 2003 spezialisiert hat.
Wissen entdecken Data-Mining entdeckt Wissen in Datenbanken, indem die Technik versteckte Zusammenhänge in großen Datenmengen sichtbar macht. Ein bekanntes Beispiel sind Online-Kundenkonten wie jene von Amazon: Das Unternehmen wertet die Produktsuche und Einkäufe der KundInnen aus und empfiehlt aufgrund des bisherigen Kaufverhaltens Angebote, die auf die jeweiligen Interessen zugeschnitten sind. Die Systeme erkennen also Muster und leiten daraus Vorhersagen ab.
"Data-Mining geht über eine klassische Datenauswertung hinaus, indem es mit neuen Algorithmen arbeitet, die große Datenmengen analysieren", erklärt Brezany. Indem die WissenschafterInnen die Forschungsgebiete Daten-Integration und Data-Mining mit der Leistungsfähigkeit von Supercomputern kombinieren und auf spezielle Anwendungsbereiche anwenden, können sie die Verwertung dieser Daten wesentlich verbessern.
Das Projekt "ADMIRE" (Advanced Data Mining and Integration Research for Europe) wird im Rahmen des 7. EU-Rahmenprogramms für drei Jahre finanziert und startete am 1. März 2008. Projektleiter an der Universität Wien ist Ao. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Peter Brezany vom Institut für Scientific Computing, Fakultät für Informatik. Die internationalen Projektpartner sind die University of Edinburgh (Projektkoordinator, Schottland), Universidad Politécnica de Madrid (Spanien) und das Ùstav informatiky, Slovenská adadémia vied (Slowakei) sowie die beiden Unternehmen Fujitsu Labs of Europe (Großbritannien) und ComArch S.A. (Polen).
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